Veröffentlicht am 5. September 2026ca. 9 Min. Lesezeit
Für mich ist das kein graues Theoriethema aus der Retorte: Im Beitrag Arztbesuch in den USA erzähle ich von eigenen Erlebnissen mit einer Mittelohrentzündung, einer Insektenstich-Infektion und weiteren Fällen, die uns auf unseren Reisen ganz unverhofft ereilt haben - genau für solche Momente ist eine gute Auslandskrankenversicherung da.
Eine Auslandskrankenversicherung für die USA kostet oft nur ein paar Euro im Jahr - und ist angesichts der amerikanischen Behandlungskosten eine der besten Versicherungen, die man überhaupt abschließen kann. Trotzdem lohnt sich ein genauer Blick, denn nicht jede Billigpolice hält, was sie verspricht.
Pflicht, keine Kür: Die gesetzliche deutsche Krankenversicherung greift in den USA nicht - das deutsch-amerikanische Sozialversicherungsabkommen regelt nur die Rente, nicht die Krankenversicherung.
Wichtigste Klausel: Möglichst hohe oder unbegrenzte Deckungssumme für Heilbehandlung, plus Rücktransport (kann allein bis zu 100.000 Euro kosten).
Preis: Eine Jahres-Reisekrankenversicherung kostet bei vielen Anbietern nur 8-30 Euro - für beliebig viele Reisen inklusive USA.
Doppelt versichert? Kein Problem, aber trotzdem nicht bei beiden Versicherungen gleichzeitig einreichen - zuerst die spezialisierte Auslands-KV nutzen, die USA und Direktabrechnung mit der Klinik abdecken sollte.
Warum die gesetzliche Krankenversicherung nicht hilft
Das deutsch-amerikanische Sozialversicherungsabkommen von 1979 regelt ausschließlich die Rentenversicherung - Kranken- und Pflegeversicherung sind darin ausdrücklich nicht enthalten. Die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) übernimmt in den USA schlicht nichts, unabhängig davon, wie gut man in Deutschland abgesichert ist. Auch die meisten privaten Krankenversicherungen (PKV) decken einen USA-Aufenthalt nur, wenn das ausdrücklich im Tarif vereinbart ist. Eine eigene Auslandskrankenversicherung ist deshalb für jede USA-Reise Pflicht, nicht nur Kür - rechtlich verlangt wird sie zwar nicht (anders als etwa bei einem Schengen-Visum), was das Risiko aber nicht kleiner macht.
Worauf es bei der Police wirklich ankommt
Deckungssumme: Für die USA sollte die Deckungssumme so hoch wie möglich sein, im Idealfall unbegrenzt. Als grobe Orientierung: Unter 40 Jahren und ohne Vorerkrankungen gelten häufig schon 250.000 US-Dollar als vertretbar, ab 50 oder mit Vorerkrankungen empfehlen Verbraucherportale eher 1 Million Euro oder mehr - angesichts fünfstelliger Rechnungen für einen einzigen Klinikaufenthalt in den USA lieber großzügig kalkulieren.
Rücktransport (Rückholung): Ein medizinisch notwendiger Rücktransport aus den USA nach Deutschland kann allein bis zu 100.000 Euro kosten. Wichtig ist, dass der Tarif nicht nur den Rückflug, sondern auch den Transport zum bzw. vom Flughafen sowie eine ärztliche Begleitung einschließt, falls nötig.
Absehbare Erkrankungen: Entscheidend ist bei den meisten Tarifen nicht, OB man eine chronische Vorerkrankung hat, sondern ob die Behandlungsbedürftigkeit bei Reiseantritt bereits absehbar war. Nicht versichert ist in der Regel die Fortsetzung einer schon vor der Abreise begonnenen oder verordneten Behandlung, ebenso wenig ein Antritt der Reise gegen ausdrücklichen ärztlichen Rat. Erleidet dagegen zum Beispiel ein Asthmatiker mitten im Urlaub einen akuten, zuvor nicht abzusehenden Anfall, zahlt die Versicherung in aller Regel ganz normal. Wer eine chronische Erkrankung hat, sollte diese Abgrenzung vor Abschluss genau mit dem Versicherer klären, statt sich im Ernstfall auf eine Grauzone zu verlassen.
Verlängerung im Krankheitsfall: Gute Tarife verlängern den Versicherungsschutz automatisch, wenn eine Erkrankung die planmäßige Heimreise verhindert - sonst wäre man ausgerechnet dann ungedeckt, wenn man am längsten in Behandlung bleiben muss.
Aktivitäten-Klausel: Wer in den Nationalparks wandert, klettert oder mit dem Mietwagen abseits der Straße unterwegs ist, sollte prüfen, ob "gewöhnliche" Outdoor-Aktivitäten mitversichert sind - bei ausgesprochenen Extremsportarten (Basejumping, Bergsteigen mit Seil) lohnt ein genauer Blick ins Kleingedruckte.
Zwei Versicherungen gleichzeitig - darf man das?
Ein Vorbehalt, den man häufig hört: Wenn die eigene private Krankenversicherung (PKV) ohnehin Auslandsschutz bietet, brauche man daneben keine zusätzliche Auslandskrankenversicherung mehr - man würde ja sonst "doppelt kassieren". Das ist rechtlich schlicht falsch. Sind dieselbe Person und dasselbe Risiko bei zwei Versicherern gegen denselben Schaden versichert, spricht man von Mehrfachversicherung (§ 78 Versicherungsvertragsgesetz). In diesem Fall haften beide Versicherer als sogenannte Gesamtschuldner: Jeder Versicherer schuldet grundsätzlich die Leistung aus seinem eigenen Vertrag, der Versicherte darf am Ende aber insgesamt nicht mehr als den tatsächlichen Schaden ersetzt bekommen. Zwischen den beiden Versicherern findet anschließend ein sogenannter Innenausgleich statt - sie rechnen also intern untereinander ab, wer welchen Anteil trägt. Das ist ausschließlich Sache der Versicherer und keine Aufgabe, um die man sich als Versicherter selbst kümmern muss.
Trotzdem sollte man den Schaden nicht bei beiden Versicherungen gleichzeitig einreichen - allein schon, um sich unnötigen Abstimmungsaufwand zu ersparen. Sinnvoll ist es, die Rechnung zunächst bei der spezialisierten Auslandskrankenversicherung einzureichen und nicht bei der PKV oder GKV-Zusatzversicherung. Genau dafür sollte die spezielle Police von vornherein zwei Dinge mitbringen: Sie sollte die USA ausdrücklich mit abdecken (nicht jeder günstige Tarif tut das automatisch), und sie sollte im Ernstfall direkt mit dem amerikanischen Krankenhaus oder Arzt abrechnen können (siehe Notfall-Hotline weiter unten), statt dass man erst in Vorleistung gehen und sich das Geld später mühsam von zu Hause zurückholen muss. Erst wenn diese spezialisierte Police nicht ausreicht oder aus irgendeinem Grund nicht greift, kommt die Haupt-Krankenversicherung als zweite Absicherung ins Spiel.
Jahres- oder Einzelreiseversicherung?
Wer öfter als einmal im Jahr verreist - und sei es nur ein verlängertes Wochenende in Europa dazwischen - fährt mit einer Jahres-Reisekrankenversicherung meist besser: Sie deckt beliebig viele Reisen ab (meist bis zu einer Maximaldauer von 6 Wochen pro Einzelreise) und kostet über das Jahr gerechnet oft nicht mehr als eine einzelne Einzelreiseversicherung für die USA. Wer wirklich nur einmal im Jahr fliegt, kann auch gezielt eine Einzelreiseversicherung nur für den USA-Trip abschließen.
Kosten: oft nur ein zweistelliger Betrag im Jahr
Jahres-Reisekrankenversicherungen sind erstaunlich günstig: Viele gute Tarife kosten zwischen 8 und 30 Euro pro Jahr und Person - für beliebig viele Reisen weltweit inklusive USA. Die Stiftung Warentest hat im Mai 2026 (Finanztest) 94 Angebote für Langzeit-Auslandskrankenversicherungen geprüft; Testsieger war HanseMerkur mit der Note "sehr gut" (0,6). Bei einem früheren Test von Jahres-Reisekrankenversicherungen für Vielreisende erhielten unter anderem ERGO, HanseMerkur und TravelSecure ebenfalls die Note "sehr gut". Wer selbst vergleichen will, findet die aktuellen Testergebnisse bei test.de.
Im Ernstfall: was vor Ort zu tun ist
Die konkreten Schritte im Notfall - von der Hotline des Versicherers bis zur richtigen Rechnung für die spätere Erstattung - stehen ausführlich im Beitrag Arztbesuch in den USA. Kurz zusammengefasst: Viele Versicherer bieten eine 24/7-Hotline und können bei größeren Behandlungen sogar direkt mit der amerikanischen Klinik abrechnen, sodass man nicht erst in Vorleistung gehen muss - diese Nummer griffbereit zu haben (ausgedruckt oder offline gespeichert) gehört auf jede Packliste.